Vorlesungstag 2

(Aus)Gelebt

Hat er mir wehgetan?
Unglaublich.
Als Kind dachte ich – sterbe ich daran.

Am Schmerz. Gekommen zu sein – ohne dass Du mich liebst.
Existieren zu müssen, ohne dass Du mir auch nur das Geringste gibst.

Noch im Gegenteil.
Du nahmst mir alles was ich wollte.
Und Anerkennung? Die konnte ich vergeblich bei Dir suchen,
ganz gleich in welch geschicktem Gewand ich sie auch holte.

Verhungern liest Du mich am langen Ast.
Ich verstand es nicht. Ich wollte raus.
Wollte raus aus dem Gefängnis voller Hass.

Es war subtil.
Doch ist es drin in mir.
Warum? Weil ich Dein Kind bin… und ich komm von Dir.

Es tat so weh. So unbeschreiblich weh.
Kam mir jetzt ein Mensch zu nah…?
Ich sagte durch die Blume – ‚bitte geh‘.


Denn ich hatte Angst vor seiner Übermacht.
Dass er mir was tut, und ich verlier‘ jene lächelnd geführte Schlacht.

Ich trat zurück.
Von Dir.
Von mir.
Und dem Leben selbst.


Ich wollte sagen: „Du bist schuld, dass ich mich stetig heut bekämpf“.
Immerhin schenktest Du mir dieses Leben,
und interessierst Dich einen Scheißdreck
ganz egal wie ich mich auch verrenk.

Doch ehrlich schau ich hin.
Diese Angst, die ich so hab…?
Sie kommt aus einem Eck,
das ich verstecken will.

Niemand soll sie sehen.
Denn wir Menschen halten dies ‚für gar nicht schön‘.

Viele machen es. Tag ein Tag aus.
Blieb uns keine andre Wahl.
Als einst zu sagen im stillen Kämmerlein: „Ja Dir – Dir wünsch ich auch all den üblen Graus“.

Rache heißt, der süß verpackte Schmerz.
Sie macht mich trübe…
sie lächelt zart – doch im Innen, verschließt sie mein geliebtes Herz.

Das ist es, was ich nicht will.
Ist hier der Verschließungspunkt, weshalb ich kam nicht ran
an mein so drängendes Gefühl.

Ich kam nicht ran an Dich.
Und das versetzte meinem Herzen einen Stich.

Jetzt geh ich einen Weg, den ich nicht kenn…
bewege mich, fühle rein in mich, und nehm der freien Sprache Medizin.

Nur eines kann ich schon berichten:
Du bist der, der mir das Leben gab –
und im Innen fand ich diesen schrägen Wunsch –
und erkenne – er ist falsch.

Denn das Großartige was Du mir gabst,
will ich nicht –
vernichten.

# Rache, # Schmerzvergeltung, # Kompensation der Wehrlosigkeit,
# stille Gewalt, # LiebesGewalt, # süße Rache, # ich treffe ‚den Falschen‘
# TiefenGenesung

16.05.2021

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