Vorlesungstag 192

Einstieg ins Training ‚der Milde‘

Die meisten Menschen von uns müssen es regelrecht lernen sich selbst gut zu tun.
Aufgewachsen und konditioniert in einer Leistungsgesellschaft ist die ‚rauhe Gangart‘ den meisten Menschen viel vertrauter, als ein milder Blick auf sich selbst. Das Fitness-Training oder der Umgang mit dem Körper ist dabei nur ein Spiegel dafür, wie sehr wir uns an die Idee gewöhnt haben, ‚funktionieren‘ zu müssen.
Weil das ‚Nicht mehr funktionieren im alten Sinne‘, eine regelrechte Umgewöhnung ist, spreche ich in dem Audio ‚Konsequente Fitness‘ darüber aus gewohnten Bewegungsroutinen schrittweise auszusteigen.

Der Mensch braucht keine Bewegung. Er ist Bewegung.

Es gibt einen wichtigen Unterschied, der gerade in den westlichen Leistungs-Gesellschaften nur schwer verstanden wird.

Die Schönheits- und Fitnessindustrie verkauft uns dieses ‚Bewegung brauchen‘, als würde dem Menschen etwas essentielles fehlen, wenn er nicht 3x in der Woche ins Fitnessstudio- oder Yogazentrum rennt.

Die gängigen Fitness- und Gesundheitsempfehlungen vermitteln die Idee, dass bei Nicht-Einhaltung eines sportlichen Lebensstils, schwere Konsequenzen im gesundheitlichen Bereich folgen würden.

Doch mit Gesundheit hat das bei den allermeisten Menschen nichts mehr zu tun, was sie da zwischen Arbeits- und Familienleben noch irgendwie versuchen reinzuquetschen.

Die meisten Menschen sind von wahrer Gesundheit meilenweit entfernt, weil das was sie da betreiben eher einem Selbstoptimierungs- oder Leistungswahn gleicht.

Nur weil Menschen ihren Körper regelmäßig in Bewegung setzen heißt das nicht, dass das Körpergewebe die Bewegung erfährt, die es tatsächlich braucht.

Das hat damit zu tun, dass es in unserer Gesellschaft Tradition hat, unseren Körper durch die Brille von Ehrgeiz und Disziplin zu betrachten.

Wir befragen den falschen Trainer um für unser körperliches Wohl zu sorgen.

Der Kopf, der Ehrgeiz und die Prinzipien der Leistungsgesellschaft sind die falschen Ratgeber, um unseren Körper artgerecht zu bewegen.

Bewegung die dem ganzen Menschen dient, und ihn nicht ausbeutet findet durch das Geleit des Körpers statt.

Wenn Du mit Deiner Körperführung verbunden bist synchronisieren sich die innerkörperlichen Bewegungen mit den sichtbaren Bewegungen.

Und in diesem Fall bewegst Du Dich nicht – sondern Du bist die Bewegung.

Und das fühlt sich ganz anders an.

Bewegungsgefühl

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Vorlesungstag 192
Neue Formen der Bewegung
empfangen und ausgedrückt von Claudia Töllich
veröffentlicht am 02. 09.2022